— Renato Kaiser

Grossrauschdichten!

grossraumdichten marvin ruppert

(Foto: Marvin Ruppert)

Die blutten Infos:

Rauschdichten Biel:
Datum: Sonntag, 29. Mai 2016
Ort: Le Singe (Untergasse 21, 2502 Biel) www.lesinge.ch
Beginn: 20:00
Eintritt: 15 CHF

Rauschdichten Bern:
Datum: Montag, 30. Mai 2016
Ort: Musigbistrot (Mühlemattstrasse 48, 3007 Bern) www.musigbistrot.ch
Beginn: 20:00
Eintritt: 15 CHF, für Studenten: 10 CHF

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Das Rauschdichten steht wieder vor der Tür, und zwar am kommenden Sonntag, 29. Mai in Biel und am Montag, 30. Mai in Bern! Von den Stammdichtern mit dabei sind Sam Hofacher und ich, Renato Kaiser. Diese zwei traurigen, einsamen Soloexistenzen mit doppelter Stimmkraft und Klangharmonie literarisch in den Arm nehmen wird das herausragende Poetry Slam Duo:

Grossraumdichten!

Liebe Rauschdichtenfreunde,

Was bin ich froh, dass wir uns nur von Weitem kennen! Ja nicht nur live, was die Distanz von der Bühne zur ersten Reihe angeht, sondern noch eine Stufe besser hier, wo wir ganz bequem in der virtuellen Welt, sagen wir mal, kommunizieren. Ich sage “Hallo!” und Ihr sagt nichts. Ist das nicht wunderbar? Ist das nicht herrlich unkompliziert? Ihr denkt Euch jetzt vielleicht: “Jaja, ist ja schon gut, was ist daran jetzt besonders?” Und ich sage: Ja natürlich ist das nicht Besonderes. Natürlich ist das normal. Finden wir! Aber das ist nicht überall so, meine Lieben, ja! In anderen Teilen der Welt herrschen da andere Regeln!
Zum Beispiel in Therwil im Kanton Basel-Landschaft! Ihr habt ja vielleicht mitbekommen, dass dort an der Schule zwei muslimische Schüler Ihrer Lehrerin aus religiösen Gründen die Hand nicht mehr geben wollten. Das gab grossen Aufruhr und Diskussionen, die in der Zwischenlösung resultierten, dass die beiden, im Sinne der Gleichberechtigung, sowohl Lehrerinnen als auch Lehrern nicht die Hand geben mussten, bis man zu einer endgültigen Vereinbarung gekommen sei. Die ist nun endlich erfolgt und lautet: Die beiden muslimischen Schüler müssen von nun an sowohl Lehrerinnen als auch Lehrern zwingend die Hand geben. Wenn sie das nicht tun, kann das eine Busse von bis zu 5000 Franken zur Folge haben.

“Recht so!”, rufen da jetzt viele. “Keine Extrawurst für Muslime!”, und schmeissen noch den einen oder anderen halbgaren Cervelat- oder Schweinswurstspruch auf den Witzegrill. Und da möchte ich sagen: Ja natürlich soll man die Rechte der Frau schützen. Natürlich sind unglaublich viele religiös motivierte Verhaltensregeln ein Witz (Katholiken kugeln sich beim Beten auf Kirchenbänken regelmässig die Kniescheiben aus und darüber berichtet auch keiner!). Und natürlich kann so ein Handschlag Respekt bedeuten (sieht man – nicht nur, aber auch – bei all den 12- bis 24-teiligen Gangsta-Gruss-Extravaganzen auf dem Pausen- oder Basketballplatz). Aber doch auch nur, wenn beide das wollen!

Kommt doch auch immer auf die Hände an! Darum könnt Ihr zum Beispiel froh sein, dass Ihr mir die Hand nicht geben müsst.
Es ist nicht so, dass ich Schwitzhände hätte, nein, das nicht. Aber wenn ich mich besonders fest freue (und das würde ich bei Euch tun, ich liebe Euch!) schwitze ich aus meinen Handflächen eine Mischung aus Himbeersirup, Senf und Thousand Island Salatsauce! Und man sagt ja schon, die Geschmäcker seien verschieden, aber sowas muss man wirklich gern haben!
Und es nicht so, dass ich besonders haarige Hände hätte, nein, das nicht. Aber wenn ich sehr aufgeregt bin (und das wäre ich bei Euch, ich liebe Euch!) dann wachsen aus meinen Handinnenflächen ganz kleine dünne Widerhäkchen, mit denen ich das Gegenüber für ewig an mich binde oder zumindest für so lange, wie ich aufgeregt bin. Und das kann manchmal Stunden dauern! Wie anstrengend das wäre! Und auch heikel. Stellt Euch nur mal vor, ich begrüsse zwei Menschen nacheinander. Beim ersten würde ich eine Viertelstunde im Handschlag festhängen, beim zweiten nur zwei Minuten. “Aha”, würde der Zweite dann trocken sagen und sich weiter zwar nichts anmerken lassen. Aber in den künftigen Whatsapp-Nachrichten wären vielleicht einfach auf einmal nicht mehr ganz so viele Emoticons. Und das tut weh, ok!?

Darum eben: Seid mal froh, dass Ihr mir nicht die Hand geben müsst, es würde alles nur kompliziert machen.

Wen Ihr aber völlig unproblematisch und vor allem so euphorisch wie möglich begrüssen dürft, sind Tobi Heyel und Pauline Füg aka Grossraumdichten. Deren Hände sind nämlich einwandfrei, ach was sage ich, mehr als das: Wenn man die Hände von Grossraumdichtenberührt, wachsen einem augenblicklich kleine Einhornbabys zwischen den Fingern hervor, die einem mit ihren winzigen, warm schnaufenden Einhornbabymäulchen die Fingerkuppen liebkosen, bis ihnen in einer sanften Explosion (die sich an den Händen anfühlt wie wohlig warmes Einhornbabyniesen) winzig kleine Einhornbabyflügelentwachsen, mit denen sie Euch fortan und bis an den Rest Eures Lebens umkreisen und mit Marshmallowschokopuderorgasmozucker bestäuben.

Und damit wäre auch die Kunst dieses herausragenden Spoken Word Duos ziemlich gut auf den Punkt gebracht. Das, was Grossraumdichten macht, ist literarischerMarshmallowschokopuderorgasmozucker. Falls Ihr Euch darunter nichts vorstellen könnt, sage ich es hier noch einmal mit verständlicheren, aber wohl kaum treffenderen Worten:

Tobi Heyel und Pauline Füg von Grossraumdichten verbinden hochstehende Sprachspielerei mit tiefsinniger Poesie. In ausgeklügelten Wortkaskaden sprechen sie – mal zusammen, mal einzeln, mal verzögert, mal synchron, aber immer aus einem Guss – dem Publikum aus dem Herzen und reden ihm gleichzeitig ins Gewissen, jedoch ohne dabei bevormundend, rechthaberisch oder überheblich zu sein. Dieser Balanceakt gelingt ihnen dank ihrer einzigartigen Mischung aus prägnanter Sprache, poetischer Gedankenwelt und schlauem Humor.
Und als würde das nicht schon reichen, beweisen sie in ihren Texten eine grosse natürliche Musikalität, die sie in ihren Auftritten und CD-Aufnahmen mit elektronischer Musik zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk vereinen.

Also… das heisst… sie… machen…

Literarischen Marshmallowschokopuderorgasmozucker?

Richtig.

Und das machen sie beim Rauschdichten und wir freuen uns sehr darüber! Mindestens so sehr freuen wir uns, wenn auch Ihr da seid, und zwar am 29. Mai im Le Singe in Biel und am 30. Mai im Musigbistrot im Bern, um die beiden mit den Handschlägen zu begrüssen, die Künstlerinnen und Künstler am liebsten sehen und vor allem hören, nämlich: ganz viel Applaus.

Es grüsst Euch
Renato Kaiser
Im Namen der Rauschdichter

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Moritz Leuenberger ist mein Krafttier

Am vergangenen Samstag, 21. Mai, hatte ich die grosse Freude und Ehre, bei den Kabaretttagen Olten die Turmrede halten zu dürfen. Im Vorfeld war ich sehr aufgeregt und nachher sehr erleichtert. Und dazwischen hat es mir grossen Spass gemacht, auf all die Oltnerinnen und Oltner herunterzuschauen und ihnen zu erzählen, warum ich mir Moritz Leuenberger auf die Brust tätowiert habe, warum Glarner heutzutage lieber Ostschweizer genannt werden und wen ich als Turmredner fürs nächste Jahr vorschlagen möchte. Die vollständige Rede findet Ihr hier.

Turmrede Foto Monique von Rohr

Foto: Monique von Rohr

Das Ganze wurde auch von Alf-TV aufgenommen. Sobald da was verfügbar ist, werde ich es selbstverständlich hier veröffentlichen.

Vielen Dank an die Kabaretttage Olten für die Einladung!

Und die Kabaretttage sind noch nicht vorbei! Die laufen noch die ganze Woche (alle Infos hier) und enden dann am Samstag, 28. Mai unter anderem mit der wunderbaren Veranstaltung Beats & Poesie in der Schützi Olten. Das ist ein spezieller Gala-Poetry-Slam anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des Laut und Deutlich Poetry Slams: Die Trilogiesieger der letzten Jahre performen ihre Texte zu den Beats von Apfelböck. Ich freue mich drauf!

Ah ja. Und so ganz nebenbei habe ich den grossen Simon Enzler zum ersten Mal persönlich getroffen. Er kam kurz vor meiner Rede zu mir, sagte Hallo und dass er mir gleich zuhören würde. Und ich fand das super, schliesslich war ich irgendwie noch gar nicht nervös genug.

FotimitSimonEnzler

Foto: Claude Schoch

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SRF-Moderator Lukas Studer hat Liverpool-Trainer Jürgen Klopp mit einem Wortspiel verärgert, Facebook und Twitter flippte aus. Ich finde: Lasst doch Lukas Studer in Ruhe!

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